20. Mai 2010 - Das Leben hält nicht an...

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Es ist merkwürdig, nach dem letzten Eintrag „Selbstmordanschlag“ einfach weiter von meinem Alltag in Kabul zu berichten. Doch genau so ist es hier, das Leben scheint einfach so weiterzugehen. Kabul ist und bleibt vor allem eins: Alltag für die rund 5 Mio. Einwohner der Stadt.  Kabul ist daran gewöhnt, ich bin es nicht. Es stimmt mich traurig und nachdenklich. Ich denke nicht darüber nach, ob es die richtige Entscheidung war nach Kabul zu kommen, doch ich denke darüber nach, wie jemand an diesem schönen Sommermorgen mehrere Mitmenschen und sich selbst, auf so brutale Weise in den Tod reißen konnte. Unverständnis. Das Leben hält nicht an. Menschen spazieren umher, tragen Fladenbrote durch die Gegend, am Straßenrand werden Kebabs gegrillt, Hunde wühlen im Müll, protzige 4-wheel Jeeps fahren vorbei, Gehupe, eine Polizeisperre und noch eine.  Familien essen Eis, Kinder klopfen an die Fensterscheibe, manchmal ein Helikopter, es riecht nach Brot und Gewürzen. Weiße Berggipfel in der Ferne. Zwei Männer die Händchen halten. Schon wieder ein Polizist, der meinen Ausweis sehen möchte. Ja ich bin Osama Bin Ladens Cousine, ja ich bin illegal hier im Land, nein du willst nicht mit mir flirten. Die Luft ist staubig und versmogt. Schicke glitzernde Villen, provisorische Zeltunterkünfte, ein paar Hochhäuser, an den Berghängen kleine Lehmhütte - wenn sie Strom haben leuchten sie nachts wie kleine Sterne. Endlich eine asphaltierte Strasse. Ein Hund bellt, ein Hahn kräht, der Eismann  und eine Pferdekutsche rollen vorbei. Gebetsaufruf, Stau, ein humpelnder Bettler und ein grüner Park. Stacheldrahtzäune und  Männer mit langen Gewehren. Der Zoo, Vollbremsung, ein buntbemalter pakistanischer Lastwagen, ein Militärkonvoi. Ein Polizist schreit einen Autofahrer an. Menschen lachen, Kinder toben, indische Musik in den Autos. Ein Flussbecken voller Müll.  Ein Schlagloch katapultiert mich aus dem Sitz. Das Auto fährt links, recht, links, rechts und versucht den Löchern auszuweichen. Keine Chance. Kabu-janl ist manchmal bizarr, manchmal lebensfroh,, manchmal verträumt und manchmal traurig. Kabul-jan ist immer Alltag.