10/11 April 2010 - Unterwegs nach Kabul

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Sonnenaufgänge in einem Flugzeug sind etwas unbeschreiblich Schönes, vor allem wenn man gerade über den Hindukusch fliegt und die ersten Sonnenstrahlen des Tages, die Berge rot einfärben. Doch vielleicht scheint auch gerade deswegen noch immer alles unwirklich. Ist diese Märchenlandschaft da unten tatsächlich Afghanistan? Werde ich tatsächlich in weniger als einer Stunde in der afghanischen Hauptstadt Kabul, in meiner neuen Heimat auf Zeit, landen? Gerade eben war ich doch noch im kleinen, beschaulichen Freiburg und die letzten paar Stunden habe ich doch nichts weiter getan als geschlafen.  Doch da hilft auch kein Sich-Selber-Zwicken. Dies ist die Realität. Dieses Flugzeug katapultiert mich und die anderen Passagiere gerade binnen weniger Stunden in eine andere Welt, vielleicht auch in eine andere Zeit. Geschätzte 200 - 300 weitere Leute sind mit an Bord auf dem Direktflug von Frankfurt nach Kabul. Allem Anschein nach bin ich nicht die Einzige, die solch eine verrückte Idee hat. Afghanen sind nur wenige an Bord, dafür aber eine ganze Mannschaft deutscher Polizeiausbilder, die in den nächsten Monaten die afghanische Polizei trainieren wird. Auch einige weibliche Polizistinnen sind dabei. Ansonsten ist das Flugzeug voll mit Diplomaten und Beratern, man sieht es ihnen an, als wäre es ihnen auf ihre Krawatten gedruckt. Zudem gibt es noch ein paar nicht ganz kategorisierbare Reisenden – zu denen ich wohl auch gehöre. Vermutlich sind es Entwicklungshelfer, Journalisten oder einfach nur Abenteurer.

 


Mit einer halben Stunde Verspätung setzt das Flugzeug zur Landung an. Die Maschine rollt vorbei an Militärhubschraubern und Flugzeugen der Vereinten Nationen.  Ganz normal ist Afghanistans einziger internationaler Flughafen also doch nicht. Auch ist es nicht normal, dass es noch weitere 1 ½ Stunden dauern wird, bis sich endlich das Gepäckrollband in Bewegung setzt und unsere Taschen wieder erscheinen. Angeblich ist irgendein VIP gerade auf dem Flugplatz gelandet – daher wurde alles andere lahm gelegt. Der Zoll dagegen ist effizient und unkompliziert, doch auch hier sind wieder deutsche Polizisten am Werk, die ihren afghanischen Kollegen akribisch genau über die Schulter blicken. Mit knapp 2 Stunden Verspätung verlasse ich dann endlich das Gebäude und da springen mir Carol und Fareed, zwei Arbeitskollegen aus dem Ministerium schon freudig entgegen.

 

"Willkommen in Afghanistan, willkommen in Kabul, willkommen in deinem neuen Zuhause"